Disruption des Arbeitsplatzes von innen nach aussen: Ein Gespräch

Anthony Vaslin Coople Chief Operating Officer

Anthony Vaslin erlebte seinen Werdegang bis heute als spannende Reise. In Paris geboren, wollte er zuerst professioneller Taekwondo-Kämpfer werden, entschloss sich dann aber für die Finanzwelt, um dort seine Karriere zu starten, die ihn seither durch ganz Europa und Asien führte. Im Januar 2018 stiess er als Managing Director Schweiz zu Coople und wurde nach kurzer Zeit zum Chief Operating Officer ernannt. Heute pendelt er regelmässig zwischen Zürich, London und Minsk, um einen reibungslosen Betrieb sicherzustellen. Wir haben uns kürzlich mit Anthony zusammengesetzt und sprachen über die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt und worauf er achtet, wenn er neue Talente für sein Team rekrutiert.

Herzliche Gratulation zu Deiner neuen Position als COO! Kannst du uns beschreiben, welchen Schwerpunkt du in deiner neuen Funktion setzen willst?

Vielen Dank! Eine meiner Hauptprioritäten ist die Abstimmung aller Abteilungen innerhalb von Coople. Aktuell sind wir in der Schweiz sowie in Grossbritannien tätig. In meiner vorhergehenden Funktion als Managing Director in der Schweiz konzentrierte ich mich auf die nationale Unternehmensentwicklung. In der neuen Funktion als COO ist es mein Ziel, das bestehende Know-how sowie die Best Practices unserer beiden Standorte wirksam einzusetzen und gleichzeitig Synergien zwischen den beiden Ländern zu nutzen. Dies lässt uns nicht nur effizienter arbeiten, sondern eröffnet uns weitere Möglichkeiten in der Zusammenarbeit mit internationalen Marken und Unternehmen.

Du hast von ricardo.ch, dem grössten Online-Marktplatz der Schweiz, zu Coople gewechselt. Was hat dich veranlasst, diesen Schritt zu wagen?

Bei ricardo.ch war ich eigentlich sehr glücklich. Über vier Jahre war ich bei ricardo.ch beschäftigt und durfte die Übernahme durch Tamedia miterleben. Ich trieb aktiv die Umsetzung der neuen Visionen von Tamedia voran. In dieser Hinsicht habe ich einen Teil zum Erbe von ricardo.ch beigetragen und war bereit, neue Herausforderungen anzunehmen. Die moderne Arbeitswelt befindet sich in einem Zustand des permanenten Wandels. Bei Coople kann ich den Wandel aktiv begleiten und diesen beeinflussen.

«Bei Coople kann ich aktiv den Wandel der modernen Arbeitswelt beeinflussen.»

Um auf den Marktplatz zu sprechen zu kommen, was ist deiner Ansicht nach die grösste Herausforderung für den schweizerischen und den britischen Arbeitsmarkt zum jetzigen Zeitpunkt?

Die Herausforderungen kann man nicht nur auf die Schweiz oder Grossbritannien begrenzen: Ich würde behaupten, dass dies mindestens ein europaweites Problem ist. Die heutige Arbeitsweise beruht auf einem Konzept, das vor sehr langer Zeit festgelegt wurde. Wir bemerken die Diskrepanz zwischen den klassischen Arbeitsmodellen und der heutigen Art, wie Menschen ihren Arbeitsalltag gestalten möchten. Die Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten so sehr verändert, dass wir unser Leben nicht mehr nur auf die Arbeit allein ausrichten. Die neue Generation hat dies zuerst erkannt: sie gestalten ihre Arbeit rund um ihre Art zu leben. Darum, denke ich, müssen wir diese beiden Denkweisen miteinander in Einklang bringen.

Wie wird sich die Zukunft der modernen Arbeitswelt in den kommenden Jahren und Jahrzehnten verändern?

Sollte sich die Sichtweise der flexiblen Gestaltung des Arbeitsmodells etablieren, wird es so sein, dass Arbeitnehmende mehrere verschiedene Jobs pro Woche ausführen. Diese neuartige Möglichlichkeit, sich sein ganz persönliches Arbeitsmodell zusammen zu stellen, kann zum heutigen Zeitpunkt durchaus abschreckend sein. Um diese Ansicht zu relativieren, folgendes Szenario: Zu Beginn der Woche leisten Sie einen Zwei-Tageseinsatz in Zürich. Sie sehnen sich nach angenehmen Temperaturen und Sonnenschein, können aber nicht auf eine Lohneinbusse verzichten. Flexibel wie Sie sind, reisen Sie in die Sonnenstube der Schweiz, ins Tessin und leisten einen weiteren Zwei-Tageseinsatz in einem Restaurant mit grosser Sonnenterrasse. Für den Rest der Woche reisen Sie nach London, leisten einen weiteren Ein-Tageseinsatz und verbringen das Wochenende mit Ihrem Lebenspartner, welcher in dieser Stadt wohnhaft ist. Sie definieren sich als sogenannte «Ich-AG» und entscheiden selbst, wann und wo Sie arbeiten. Die grosse Herausforderung für ein derartig flexibles Arbeitsmodell besteht darin, Vertrauen zu schaffen sowie die Einstellung der Arbeitnehmer positiv zu beeinflussen.

«Die wichtigste Eigenschaft ist die innere Haltung, sprich die Identifikation mit der Unternehmung.»

In deiner Vergangenheit hast du schon mehrere Teams geleitet. Welche Eigenschaften sind für dich essenziell bei der Rekrutierung von neuen Teammitgliedern?

Die wichtigste Eigenschaft ist die innere Haltung, sprich die Identifikation mit der Unternehmung. Diese lässt sich allerdings nicht so einfach bewerten wie zum Beispiel die Berufserfahrungen oder Fachkompetenzen, welche in einem Lebenslauf hübsch aufgelistet werden können. In der Zusammenstellung von Teams achte ich darauf, dass die einzelnen Mitglieder harmonisch zusammenarbeiten können und der Fokus sowie die Identifikation mit der Unternehmung im Mittelpunkt steht.

Unsere letzte Frage: Welche Tipps würdest du Personen geben, die ihre Karriere vorantreiben möchten?

Ich habe mich stets auf das Jetzt und nicht auf die langfristige Planung konzentriert. Als begeisterungsfähiger Mensch bin ich immer offen, neuen Herausforderungen entgegen zu treten und diese anzunehmen. Ich bin überzeugt, dass Menschen, welche sich in ihrem beruflichen Umfeld mit Freude und Motivation einbringen, automatisch gute Aufstiegsmöglichkeiten haben. Das Rezept zum Erfolg hat drei Zutaten: Aufgeschlossenheit, Enthusiasmus und Tatendrang.