JOIN NOW

Arbeit 4.0: Die Arbeitswelt von morgen

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Disruptive Technologien führen zu neuen Anstellungsverhältnissen: Arbeitgeber setzen auf kurzfristige und kurzzeitige Einsätze, um ihre Fixkosten zu reduzieren. Arbeitnehmer möchten sich mit derselben Strategie verwirklichen. Doch was bedeutet dieser Trend für die Einsatzplanung, die Rekrutierung, die Führung und das Umfeld? Eine Einschätzung.

Nach der Mechanisierung und der Automatisierung kommt mit der Digitalisierung der nächste technische Fortschritt ins Spiel, welcher die Arbeitswelt in Aufruhr versetzt. Nach Expertenmeinungen werden nahezu die Hälfte aller gegenwärtigen Berufe von der Bildfläche verschwinden. Bereits in den letzten 15 Jahren konnte man einen Rückgang der handwerklichen aber auch administrativen Angestellten feststellen. Auf der anderen Seite steigt die Anzahl der Angestellten im Management und es gibt mehr Stellen in wissenschaftlichen und intellektuellen Bereichen. Dies bringt mit sich, dass Anstellungen nicht mehr langfristig sind, sondern mehr spezifisch für einzelne Projekte erfolgen. Das 100%-Pensum mit fixem Arbeitsplatz bei einem einzigen Arbeitgeber verschwindet teilweise. Eine Reorganisation der Einsatzplanung, der Rekrutierung und der Führung mit flexiblen, digitalen Lösungen scheint unumgänglich.

Einsatzplanung 4.0
Das Bedürfnis nach Personal kann sich je nach Unternehmen sehr kurzfristig ändern. Zum Beispiel im Gastrogewerbe: Ein Restaurant mit Dachterrasse kann morgens je nach Wetterbericht sehr viel weniger Personal als abends benötigen. Es gibt in diesem Fall zwei Möglichkeiten: Einerseits kann man die Arbeitsbelastung für die bestehenden Mitarbeitenden erhöhen oder man plant andererseits mit einer flexiblen Workforce, welche bei Bedarf kurzfristig eingesetzt werden kann. Diese kurzfristige Planung ist dank numerischen Werkzeugen und intelligenten Algorithmen möglich. Die Verantwortlichen können somit je nach Situation schnell reagieren. Ausserdem hat eine solch flexible Planung der Workforce den Vorteil, dass die Lohnsumme je nach Arbeitsauslastung höher oder geringer ist. Dabei verdrängen die kurzzeitigen und kurzfristigen Arbeitseinsätze nicht die traditionelle Arbeitsweise, sondern ergänzen diese. Es wird nämlich, je nach Lebensphase und Lebenskonzept, immer Arbeitskräfte geben, die eine Festanstellung und einen fixen Arbeitsplatz bevorzugen. Sie werden das Kernteam bilden, das über die Wissenshoheit zum Unternehmen verfügt. Mit Temporäranstellungen können Mitarbeitende mit projektbezogenen Fähigkeiten und Know-how als «flexible Workforce» über einen Fachkräftepool ergänzend eingesetzt werden. Die Verantwortlichen können aus einem Pool aus geeignetem Personal aussuchen und ermöglichen dem Unternehmen somit automatisch eine Kostenoptimierung.

Rekrutierung 4.0
Die heutigen Angestellten sind eine Mischung aus Baby-Boomern, der Generationen X und den Generationen Y und Z. Bald wird sich die Generation X mit Widerständen der Generation Y und vor allem der Generation Z konfrontiert sehen.  Dies impliziert eine Umwälzung der Gewohnheiten und die Bedürfnisse bezüglich des Arbeitsmarktes und gezwungenermassen auch der Rekrutierung. Die Flexibilität in Bezug auf die Arbeitszeit, den Arbeitsort und aber auch den Arbeitsaufgaben gewinnt bei jungen Arbeitnehmern an immer höherer Bedeutung. Bezüglich der Rekrutierung sollten Unternehmen also darauf achten, auf teure und langwierige Rekrutierungsvorgehen zu verzichten, da immer weniger Mitarbeitende langfristig beim gleichen Unternehmen bleiben. Also sollten neue Ideen her. Die Möglichkeit, Mitarbeiter zum Beispiel während einer festgelegten Periode zu testen, ermöglicht eine bessere Einschätzung, ob der Mitarbeiter sich für die Arbeit und das Team eignet oder nicht. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Try & Hire Verfahren. Durch die gegenseitige Bewertung von Arbeitgeber und Arbeitnehmern nach einem abgeschlossenen Einsatz wird das Angebot respektive die Leistung transparenter. Fehlentscheidungen können dadurch reduziert werden, da nicht mehr nur Erfahrung und Bauchgefühl, sondern clevere Algorithmen objektiv die Qualität auf solchen On-Demand Marktplätzen für flexible Arbeit sichern.

Führung 4.0
Flexible Arbeitsplätze sind heutzutage ein Phänomen, welches unumgänglich scheint. Die Digitalisierung, die Loslösung von fixen Arbeitsplätzen und die immer grösser werdende Auswahl an flexiblen Einsätzen erlaubt es Arbeitnehmern nämlich, in eine Semi-Selbstständigkeit zu gehen. Diese Autonomie hat entsprechenden Einfluss auf das moderne Führungsverhalten. Vertrauen auf allen (Hierarchie-)Ebenen wird wichtiger denn je. Die «flexible Workforce» sollte eine hohe Kompetenz im Selbstmanagement aufweisen. Sie hat ihren Standort nämlich nicht zwingend beim Arbeitgeber vor Ort, sondern teilweise in Coworking Spaces oder bei sich zu Hause. Ob und in welchem Umfang tatsächlich gearbeitet wird, kann von Vorgesetzten also nicht immer unmittelbar kontrolliert werden. Er muss sich zurücknehmen und auf das Projektmanagement des flexibel gebuchten Mitarbeitenden setzen. Die konkrete Leistung ist erst an definierten Meilensteinen ablesbar. Auch beim Kernteam gilt es, die Leinen loszulassen. Aufgrund der steigenden Komplexität der Aufgaben und die unterschiedlichen Bedürfnisse pro Einsatzgebiet kann es sinnvoll sein, die Führung an Schlüsselpersonen des bestehenden Teams zu delegieren. Diese wissen durch die operative Nähe, an welchem Ort welche Kompetenzen benötigt werden und tragen zur effizienten Abwicklung bei.

Arbeitsumfeld 4.0
Die Neudefinition von Prozessen dient als Basis für ein adaptives Vorgehen beim Einsatz von externen Mitarbeitenden. In der IT arbeiten Entwickler seit Jahrzenten mit dem „Scrum“-Modell. Es erlaubt das Produktmanagement in Teilprojekte aufzuteilen. Diese werden von den Mitarbeitenden eigenständig bearbeitet. Der Entwicklungsfortschritt ist ortsunabhängig aber auf einer zentralen digitalen Arbeitsplattform sichtbar. So weiss jeder, wo seine Kollegen stehen und wie der Status ist. Ähnliche Vorgehensweisen lassen sich auch auf andere Bereiche übertragen. Sie funktionieren aber nur, wenn die Informationen kanalisiert werden. Durch die meist kurzen Einsätze haben die flexiblen Mitarbeitenden nicht die Zeit, sich vertieft einzulesen. Eine lange Einarbeitung ist bei kurzzeitigen Arbeiten auch nicht angezeigt. Vielmehr muss gemäss dem Prinzip «reduce to the max» ausgewählt werden, welche Informationen für die effiziente und erfolgreiche Umsetzung der Aufgabenstellung zwingend nötig sind. Als Gegenpol zur Reduktion im Arbeitsprozess steht die Auswahl im Planungsprozess. Eine breite Auswahl von Arbeitsangeboten führt dazu, dass Fachkräfte die Vorteile der Flexibilität geniessen können.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Maintenance mode is currently on